17. Juni 2008
Blogjournalismus: Wie schreibe ich Beiträge?
Ein wenig mehr Wissen zu Webpublishing könnte ich als Journalist auch noch vermitteln, nur lenkt es zu sehr von den jetzigen Themen ab.
Dennoch möchte ich die Fragen, die an mich gerichtet wurden, kurz - im JAC-Stil - beantworten. Aber vorher muss ich nochmal mein altes Lehrbuch von Lehrmeister Walther von LaRoche in die Hand nehmen: Einführung in den praktischen Journalismus, Ausgabe von 1984. Da gabs noch keine Blogs und kein Internet
Mehr über journalistische Formen, neuen Bürgerjournalismus, Redaktionssysteme und Leser-Feedback …
Neuer Bürgerjournalismus?
Mit der rasanten Entwicklung der Bloglandschaft sprechen wir auch von neuem Bürgerjournalismus: Jedermann kann heute mit einfachsten Mitteln nahezu kostenfrei im Web publizieren, runterladen und wieder publizieren. Mit digitalen Fotos und Videos. Vom Bestatter bis zum Taxifahrer, vom Häuslebauer bis zur Straßenhure: Sie alle haben etwas gemeinsam, sie bloggen! Mehr dazu später in einem Beitrag zur Blogkultur.
Wie sehen solche Blogbeiträge aus? Was kann ich schreiben, wie, in welcher Form? Müssen sie journalistischen Grundsätzen genügen?
Im Journalismus - Text sowie Bild - gibt es folgende Genre:
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Nachricht,
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Korrespondentenbericht,
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Reportage,
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Feature,
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Kommentar,
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Kritik und Renzension,
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Interview / Umfrage,
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Porträt,
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Glosse.
Nachrichten:
Kurz, prägnant, sachlich, das Wichtigste zuerst. 6 W-Fragen werden in der Nachricht beantwortet: Was ist passiert, wer, wann, wo, wie, und ggfls. warum? Länge ca. 10-20 Zeilen.
Korrespondentenberichte:
Die längere Form der Nachricht. Länge: ca. 40-80 Zeilen. Mit Hintergrundinformationen des Korrespondenten (mit Beschreibung woher er sie hat).
Kommentare:
Meinungsorientiert, Meinungsbildend, z.B. ein abwägender Kommentar.
Und Blogjournalismus?
Ein Beispiel für eine Form der Nachricht hat Antje mit dem Hinweis auf das Kulturmanagementblog formuliert. Viele Blogbeiträge - auch Posts oder Postings genannt - entsprechen nicht den oben genannten journalistischen Kriterien, sie vermischen sich eher, vor allem Nachricht, Bericht, Kommentar sowie Renzension. Müssen sie auch nicht, weil sie in erster Linie Botschaften authentisch transportieren sollen.
Stil: Kurze Sätze wählen. Am Bildschirm liest’s sich schlechter. Typographie, Schriftgrößen etc. beachten. Blogbeiträge mit Bildern auflockern. Wichtig: Ein guter Einstieg. Die ersten Sätze entscheiden, ob der Leser weiter liest.
Was Blogbeiträge nicht sind …
Foren. Z.B. Fragen von Autoren, Aufforderungen zu Diskussion, es sei denn. Blogautoren schreiben für Leser, für die Öffentlichkeit - und ver-öffentlichen Beiträge. Keine persönliche Anrede oder “mit freundlichen Grüßen, Name …”. Der Autorenname steht ohnehin über dem Beitrag und Sie sprechen mit Ihrem Beitrag ja Leser direkt an. Ausnahmen sind persönliche Ansprache von Dritten zu rethorischen Zwecken wie es z.B. im Bildblog gemacht wird.
Kommentare und Diskussionen in Blogs
Blogs sind verführerisch für ihre Macher und Leser: Sie bieten einen Rückkanal für die Leser.
Die Technik: Online-Diskussionen gehören allerdings in dafür vorgesehene Diskussionsforen mit den erforderlichen Moderationsinstrumenten.
Blogs ohne entsprechende Foren-Plugins überschreiten damit ihre Möglichkeiten, obwohl die Kommentarfunktion schnell zur Diskussion verleitet. Dafür wurde sie nicht erfunden. Mit Blogkommentaren sind keine journalistischen Genre gemeint, einfach nur eine Lesermeinung zu einem Beitrag, Ergänzungen zum Beitrag, Kritik, Zustimmung, Korrektur, whatever. Auch über so genannte “Pingbacks”.
Fazit:
Vorher überlegen, dann schreiben. Sich fragen:
Was möchte uns der Autor damit sagen?
Blogsysteme sind kleine Redaktionssysteme
und eignen sich für Autorengemeinschaften,
die eine gemeinsame Redaktion bilden -
und so die Qualität des Blogs steigern.
Mehr zum Thema “Rechtliches” im Beitrag
Urheberrecht im Internet
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